David Rosenthal: Internet - auch für meine Firma?
Ein praktischer Internet-Leitfaden
- nicht nur für kleine und mittlere Unternehmen
Vorwort des Autors
Das unbekannte Ding
Es war im Intercity von Z�rich nach Basel. Neben mir sitzen zwei Damen aus dem Kunstgesch�ft. Eine von ihnen leitet ein Atelier, das Rahmen f�r Bilder herstellt, wie ich erfahren sollte. Ich komme mit den beiden rasch ins Gespr�ch, und bald f�llt auch schon das Wort "Internet". Ob sie denn Internet machen w�rden, frage ich die eine Dame. Sie winkt ab. Internet lohne sich f�r sie nicht, sagt sie mir �berzeugt.
Wenn sie mit ihren Kunden kommuniziere, dann m�sse sie das von Angesicht zu Angesicht tun. Und auch bei ihren Lieferanten funktioniere alles bestens. Sie arbeite mit einem lokalen Schreiner zusammen; vielleicht k�nne sie ihre Materialien per Internet im Ausland oder bei einer Grossfirma billiger bestellen, doch das wolle sie schon aus Prinzip nicht tun. Nichts zu machen in Sachen Internet.
Doch dann erz�hlt mir die Frau, dass ihre Kunden oft nicht w�ssten, wie wichtig die richtige Rahmung eines Bildes f�r dessen Konservierung sein k�nne. �berhaupt herrsche hier einiges an Informationsbedarf. Ich spreche sie darauf an, ob sie es denn nicht interessant f�nde, solche Informationen und einen �berblick �ber ihre Dienstleistungen im Internet zu pr�sentieren? Sie m�sse deswegen ja nicht auf den pers�nlichen Kontakt zu ihren Kunden verzichten. Aber diese k�nnten sich besser informieren. Die Frau z�gert. Eine Homepage w�re ja sch�n, doch der Zugang ins Internet, das sei ihr zu teuer und zu zeitaufwendig, entgegnet sie mir.
Den brauche sie nicht, antworte ich kurz und merke, dass jetzt die Verwirrung komplett ist. Ich erkl�re, dass auch Personen, die keinen eigenen Internet-Zugang haben, heute eine Homepage im Internet betreiben k�nnen - und das bei sehr tiefen Kosten. Das habe sie nicht gewusst, sagt mir die Frau. Und pl�tzlich ist sie interessiert, will wissen, was sie weiter tun kann und wer ihr hilft. Ideen werden entwickelt, und weitere Anwendungsm�glichkeiten werden ausgesprochen. Ich habe sie offenbar �berzeugt. Sie dankt mir, und wir tauschen unsere Visitenkarten aus. Vielleicht wird sie bald neue drucken, erg�nzt mit ihrer Homepage. Vielleicht auch nicht. Aber ich weiss: Das Internet hat f�r sie pl�tzlich ein v�llig anderes Gesicht erhalten.
Die Unternehmerin in dieser (wahren) Anekdote ist kein Einzelfall. Ich habe solche Gespr�che mit vielen Vertretern von kleinen und mittleren Betrieben gef�hrt. Obwohl sich heute die meisten Unternehmer und Informatikverantwortlichen in den kleinen und mittleren Unternehmen Gedanken �ber das Internet gemacht haben, bleibt es f�r viele ein Buch mit sieben Siegeln. Sie ahnen zwar, dass es eine wachsende Bedeutung haben wird. Vielleicht surfen sie selbst schon. Was aber ihr Gesch�ft damit anfangen soll, dass es sich wirklich lohnen kann und wie vorzugehen ist, wissen die meisten nicht.
Es dominiert die Angst, falsch zu investieren und irgendeinem findigen Anbieter auf den Leim zu kriechen, weil man selbst �ber das Medium zuwenig Bescheid weiss. Und die meisten Unternehmen sind auch bisher ohne Internet ausgekommen - allem Gerede vom "Electronic Commerce" zum Trotz. So ist das "Internet" in vielen F�llen zu einem guten Vorsatz geworden, um den man sich in einer ruhigen Minute k�mmern will. Die aber kommt erfahrungsgem�ss nie.
Das ist schade. Internet muss nicht mit grosser Kelle anger�hrt werden, auch wenn das oft so suggeriert wird. Internet muss nicht teuer und zeitaufwendig sein. Es braucht nicht einmal einen Anschluss ans Netz, um im Internet pr�sent zu sein.
Hier kommt dieses Buch ins Spiel. Es richtet sich nicht an die Cracks. Es kann und will aus Unternehmen keine "Cyberfirmen" machen. Es ist statt dessen f�r jene Unternehmer und Personen gedacht, die das Internet im B�ro erst ein wenig oder noch gar nicht f�r ihr Gesch�ft benutzen.
Dieses Buch setzt keine Internet-Kenntnisse voraus. Wer es liest, wird nach dessen Lekt�re zwar kein Internet-Experte sein. Aber er wird wissen, was er mit wieviel Einsatz tun kann, wird sehr viele Ideen haben und braucht nicht mehr das ungute Gef�hl zu haben, ausgeliefert oder hilflos zu sein. Profitieren sollen dabei selbst jene, die heute schon surfen oder E-Mails verschicken.
Anders als die meisten anderen B�cher, behandelt dieses Werk m�glichst alle Aspekte, auf die es f�r die Verantwortlichen ankommt, nicht nur die Technik oder das Marketing. Die Kosten sind ebenso ein Thema wie die rechtlichen Fragen oder das, was die Konkurrenz tut. Das Buch sagt, wie ein Unternehmer Internet-Eins�tze konzipieren und umsetzen kann. Es soll dabei nicht nur die guten Seiten und Chancen vermitteln, sondern auch die Nachteile und Gefahren aufdecken - und L�sungsm�glichkeiten zeigen. Dieses Buch ist aber keine Do-it-yourself-Anleitung zum Bau von Internet-Auftritten. Obwohl sich in den Fussnoten und den Literaturangaben manche Hinweise in dieser Richtung finden, soll es die Beratung und
Unterst�tzung durch eine fachkundige Person nicht ersetzen. Die meisten kleinen und mittleren Unternehmen haben f�r ihre Internet-Projekte ohnehin nicht gen�gende eigene Personalressourcen.Dieses Buch soll denn auch auf dem Boden der Realit�t bleiben und keineswegs �bertriebene Erwartungen wecken. Denn leider suggeriert die Werbung heute noch immer, dass jemand "dumm" sein m�sse, wenn er sich nicht umfassend mit Internet auseinandersetzt. Es gibt viele gute Gr�nde, dies in der Tat nicht oder nur auf kleiner Flamme zu tun.
Unwissen oder ein ungutes Gef�hl sollte aber kein solcher Grund sein. Denn das Internet kann sehr spannend sein, viele M�glichkeiten bieten und einem Unternehmen helfen, sich besser zu behaupten und noch erfolgreicher zu sein. Ich weiss das aus eigener Erfahrung. Auch ich bin Unternehmer einer "KMU", eines kleinen oder mittleren Unternehmens. Auf das Internet will ich nicht mehr verzichten. Ich nutze es t�glich wie das Telefon. Nur bringt es mir mehr.
David Rosenthal
Basel, im August 1999
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