David Rosenthal: Internet - auch für meine Firma?
Ein praktischer Internet-Leitfaden
- nicht nur für kleine und mittlere Unternehmen
Artikel �Neue Z�rcher Zeitung� vom 21.09.1999
Internet im Unternehmen: Warum viele damit z�gern
Ende Jahr wird jedes zweite kleine oder mittlere Unternehmen in der Schweiz das Internet einsetzen, sagen die Marktforscher. Doch eine besonders hohe Priorit�t geniesst das Datennetz in den wenigsten Branchen. An fehlenden Ressourcen oder M�glichkeiten kann das nicht liegen. Eher an fehlenden Ideen und Informationen.
Von David Rosenthal
Unternehmer, die vom Internet �berhaupt nichts halten, gibt es in der Schweizer nur noch wenige. Umfragen zeigen ein deutliches Bild: Viele Personen gehen heute ohne Zweifel davon aus, dass das Internet f�r die Wirtschaft an Bedeutung gewinnen wird. F�r den eigenen Betrieb, das mag erstaunen, wollen viele dem Internet dieses Gewicht allerdings nicht beimessen.
Einer der am h�ufigsten genannten Gr�nde, warum ein kleiner oder mittlerer Betrieb (bis 250 Personen) sich nicht mit dem Internet auseinandersetzt, ist offenbar, dass die "anderen" es auch nicht nutzen, wie eine Studie des Instituts f�r Wirtschaftsinformatik der Universit�t Bern* ergab. Mit "anderen" sind Kunden oder Partnerfirmen gemeint.
Internet wird zwar als interessante und zukunftstr�chtige Sache betrachtet, aber f�r den eigenen Betrieb sehen viele kleine und mittlere Unternehmen keinen Bedarf, aktiv oder aktiver zu werden. Abwarten und zusehen, was sich tut, lautet oft die Devise. Es gibt manche, die sich an sich bewusst sind, dass sie sich mit dem Internet verst�rkt besch�ftigen sollten. Doch diese verschieben das gerne auf eine ruhige, freie Minute, die leider nur selten wirklich kommt. So wird die Sache auf die lange Bank geschoben. Ergibt sich dann im Alltag eine Gelegenheit, das Internet gewinnbringend einzusetzen, kann sie nicht genutzt werden. Der Leidensdruck steigt so zwar, aber eben nur langsam.
Eine fremde, unbekannte Welt
An der fehlenden Zeit kann es allerdings nicht liegen, dass in den Betrieben nicht mehr getan wird. An den zu hohen Kosten wohl auch nicht: Bis auf die Anschaffung eines PCs ist Internet mit Bedacht benutzt ein kosteng�nstiges Werkzeug zur Kommunikation, Informationsbeschaffung und Werbung -- und dies nicht erst seit der Verf�gbarkeit zahlreicher "Gratis"-Provider. Wer eine eigene, einfache Homepage f�r seinen Betrieb will und bereit ist, diese an einem Samstagnachmittag am PC selbst zu gestalten, bezahlt f�r seinen Internet-Auftritt nicht mehr als einige hundert Franken. Einen eigenen Internet-Zugang braucht er zum Beispiel nicht.
Das Problem ist ein anderes. Die meisten Unternehmen werden zun�chst �berhaupt nicht wissen, was sie tun sollten und wer ihnen dabei hilft. Das Internet ist als Begriff zwar bekannt, doch was ein Unternehmen damit wirklich anstellen k�nnte, welche Vor- und Nachteile es mit sich bringt und wie vorzugehen ist, wissen die nicht spezialisierten Verantwortlichen in den Unternehmen oft nicht. Woher auch, handelt es sich doch um ein v�llig neues Instrument, das f�r den Laien auf den ersten Blick nicht nur etliches technisches Wissen fordert, sondern auch eine neue "Welt" mit ihren eigenen Spielregeln darstellt.
Werbung per E-Mail ist ein Beispiel. W�hrend der Versand von Werbung per Briefpost zu den �blichen Marketinginstrumenten einer Firma z�hlen mag, kommt der Versand von unaufgeforderter Werbung per elektronischer Post im Internet etwa einem Verstoss gegen die zehn Gebote gleich: Eine Firma sollte es im eigenen Interesse besser bleiben lassen.
Trotz allem gehen viele Unternehmer und andere Verantwortliche in den Betrieben noch immer davon aus, dass ihre Mitarbeiter mit dem Medium umzugehen wissen. Zwar haben heute schon manche Betriebe mindestens einen Anschluss ans Internet. Eine Ausbildung ihrer Mitarbeiter f�hren allerdings die wenigsten Unternehmen durch. Die Konsequenz: Es wird wenig effizient und effektiv eingesetzt, und alle, die schon immer gewusst haben wollen, dass das Internet eben noch nicht sehr viel einbringt, erhalten scheinbar recht.
Internet ja, Nutzung nein
Da werden elektronische Dokumente wie immer mit der Briefpost versandt oder gefaxt, obwohl der Partner wom�glich ebenfalls �ber ein elektronisches Postfach verf�gt. Da werden unz�hlige Anrufe get�tigt, nur um einige Ausk�nfte von einer Firma oder Beh�rdenstelle zu erhalten, die �ber Internet in zwei Minuten zu finden gewesen w�ren. Und Bankgesch�fte werden trotz Internet-Zugang weiterhin mit Zahlungsauftr�gen get�tigt, die pers�nlich aus Sicherheitsgr�nden auf die Post gebracht werden m�ssen, Spesen verursachen und Zeit beanspruchen. Im Internet geht es, einmal richtig installiert, billiger und effizienter.
Die Schuld nur der Inkonsequenz der Unternehmen zuzuschieben,w�re allerdings falsch. Auch die Anbieterseite hat bisher zu einem guten St�ck versagt. Sie spricht zwar andauernd von Dingen wie "Electronic Commerce", "E-Business" und anderen Schlagworten. Sie predigt von Paradigmenwechseln, der neuen Wirtschaftsordnung des Internets und globalen, grenzenlosen M�rkten. Sie pr�sentiert auch "L�sungen", mit denen sich ein Unternehmen in diese sch�ne neue Welt einkaufen k�nnen soll.
All diese Anbieter sind sich aber offenbar nicht bewusst, dass ihre Parolen, Fallstudien und Angebote zumindest f�r viele kleinere und mittlere Unternehmen ohne oder mit geringer Internet-Nutzung in der Schweiz zwar reizvoll, aber trotz allem zu realit�tsfremd, zu diffus oder zu "abgehoben" sind. Ihre "L�sungen" stellen in Wirklichkeit oft nur eine Dienstleistung oder ein Softwarepaket dar, nicht konkrete Anwendungsbeispiele, die einem kleinen oder mittleren Schweizer Unternehmen beschreiben, wie er Internet realistisch einsetzen k�nnte und warum sich das f�r ihn wirklich lohnt. Die wichtigsten Fragen haben mit Technik nichts zu tun -- und sie bleiben letztlich meist offen.
Wenig Umsatz via Internet
Antworten gibt es. Aber sie sind nicht spektakul�r. Warum etwa sollte eine kleine Firma einen Auftritt im Internet betreiben? Nicht nur zur Pr�sentation des Unternehmens, seiner Mitarbeiter und der Angebote. Kunden erfahren so zum Beispiel auch, wo sie bei einem Firmenbesuch ihr Auto am besten parkieren. Oder sie finden Antworten auf die h�ufigsten Fragen und die gefragtesten Dokumente. Das Sekretariat, das dank Internet vielleicht nur noch halb soviele Anfragen beantworten muss, wird es danken, ebenso die Portokasse und auch der rascher bediente Kunde.
Er wird eine Firma mit einem Internet-Auftritt auch einfacher weiterempfehlen k�nnen -- die Netz-Adresse gen�gt. Immerhin benutzen heute bereits �ber 1.25 Mio. Menschen in der Schweiz das Internet regelm�ssig**, auch wenn mancher Unternehmer den Eindruck haben mag, just in seiner Kundschaft sei Internet kein Thema. Kostet ein Internet-Auftritt f�r die beschriebene Anwendung 20'000 Franken, wird er sich wom�glich nie lohnen. Sind es einige tausend Franken oder im Eigenbau noch weniger, sieht die Rechnung anders aus. Dabei sind die beschriebenen Anwendungen nur einige wenige von vielen.
Diese Ausf�hrungen sollen vor allem eines zeigen: Das Internet muss entmystifiziert werden. Es ist kein Wunderding. Es ist bloss ein Werkzeug. Es hat manche Vorteile, auch einige Nachteile und vor allem sehr viele Einsatzm�glichkeiten. In einigen Jahren wird es kaum mehr eine Firma geben, die es sich leisten wollen wird, das Internet nicht zumindest ein wenig zu benutzen. Das heisst aber nicht, dass all diese Unternehmen nun nur noch via Internet Gesch�fte machen sollten; f�r viele werden reine Internet-Ums�tze in absehbarer Zeit eher die Ausnahme bleiben. Aber alle Unternehmen sollten sich fragen, ob sie die eine oder andere Aktivit�t in ihrem Betrieb vielleicht nicht etwas effizienter, effektiver und kosteng�nstiger erledigen k�nnten. Und sei es f�r den Anfang ohne grosse Kosten mit bloss einem "Gratis"-Internet-Zugang und "Gratis"-E-Mail-Postfach.
* http://ec.unibe.ch oder http://www.kmuinfo.ch
** Quelle: WEMF, http://www.wemf.ch
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