Nachtrag/Ergänzung

Hinweis: Diese Texte sind zur Ergänzung der bestehenden Ausführungen im Buch bestimmt. Bitte beachten Sie, dass die Adresse dieser Seite sich immer wieder ändert. Falls Sie nachfolgend einen anderen Text erwartet haben, benutzen Sie bitte unsere Übersicht.


E-Commerce-Versicherungen

Das Internet birgt bekannterweise etliche Risiken. Jetzt glauben immer mehr Versicherungsgesellschaften gerade darin einen grossen, neuen Wachstumsmarkt entdeckt zu haben: Sie versichern den Unternehmen ihr E-Business. Ob sich das lohnt, muss sich noch zeigen, und zwar für beide Seiten.

Von David Rosenthal

Wenn der Hacker zuschlägt, kann es ein Unternehmen, das im Internet seine Produkte vertreibt, die Existenz kosten: Steht der Online-Shop still, gibt es keinen Umsatz. Gelangen Kundendaten an die Öffentlichkeit, drohen Schadenersatzforderungen. Sind die Daten verloren, müssen sie wieder erfasst werden. Und negative Presse wird einige Öffentlichkeitsarbeit nötig machen.

Das Risiko des Risikos

Das Szenario ist nur eines von vielen. Der Einsatz und die Abhängigkeit von neuen Internet- und Informatiktechniken hat viele Unternehmen völlig neue Angriffsflächen und Risiken beschert. Mit Technik, Organisation und Verträgen wird zwar versucht, das Risiko so tief wie möglich zu halten. Doch ein Rest bleibt. Und sei es nur, weil sich wieder ein Mitarbeiter nicht an die Regeln gehalten halten hat oder gekaufte Produkte fehlerhaft waren.

Die Versicherungsgesellschaften machten um solche "E-Business"-Risiken bisher einen grossen Umweg. Hatten sie in ihren EDV-Policen zunächst noch Risiken wie zum Beispiel Computerviren mitversichert, sind diese inzwischen meist in aller Stille gestrichen worden. Denn vernünftig versicherbar sind nur Risiken, die sich einschätzen lassen. Das konnten sie im Internet nicht.

Ein Jahrhundert-Geschäft?

Inzwischen scheint die Scheu vor den Gefahren des Netzes etwas gewichen zu sein. Das Geschäftspotenzial ist für immer mehr Anbieter schlichtweg zu gross, um es zu ignorieren. In einer Umfrage an einer Fachtagung vom Frühjahr gingen denn auch bereits 70 Prozent der Versicherungsexperten davon aus, dass "E-Commerce" das grösste Risiko des neuen Jahrhunderts überhaupt sein werde und damit ein Topgeschäft.

Der 'Love Bug'-Wurm sei der beste Beweis für die Gefahr, meint Julian James von Lloyds Nordamerika. Der Wurm habe Schäden von über 15 Mrd. Dollar verursacht. "Das meiste davon ist nicht versichert", so James. "Obwohl es heute Cyber-Versicherungen gibt, sind sich viele Unternehmen noch nicht bewusst, dass sie eine solche Deckung brauchen." Ob dies zutrifft, muss zwar noch zeigen.

Medien schaffen Nachfrage

Seit letztem Jahr wird in den meisten grossen Versicherungsgesellschaften jedenfalls an entsprechenden Angeboten mit Hochdruck gearbeitet. Die ersten sind heute auf dem Markt. Unter den Anbietern finden sich manche Unbekannte, aber auch Namen wie Lloyds of London und auch Schweizer Gesellschaften wie die Zürich. Selbst Computerhersteller wie Hewlett-Packard oder IBM sind aktiv geworden.

Noch sind ihre Versicherungsprodukte wenig bekannt. Doch die Nachfrage wächst und jede weitere Schlagzeile in den Medien treibt das Geschäft der Versicherer weiter an. Der US-Versicherungsbroker Marsh verzeichnete etwa eine Verfünffachung der Anfragen für sein E-Business-Produkt, nachdem Hacker im Ferbruar die Websites grosser Anbieter wie Yahoo, Amazon oder CNN blockiert hatten.

Nicht alles versichert

Die Lösung aller Risiken sind solche Versicherungen aber nicht. Da das Risiko relativ schwer einzuschätzen ist, sind die Versicherungen noch immer sehr teuer. Auch decken sie oft nicht alles ab. Der Betriebsunterbruch, das grösste E-Business-Risiko, ist zwar in der Regel finanziell abgesichert. Auch für die Öffentlichkeitsarbeit, Haftpflichtfälle, Aufräumarbeiten und Wiederherstellung von Daten und Software wird bis zur Deckungssumme gezahlt.

Sind Daten jedoch nicht wiederherstellbar, geht der Kunde oft leer aus. Auch die mitunter hohen Präventionskosten sind zum Beispiel meist nicht gedeckt. Im Gegenteil: E-Business-Versicherungen fordern von ihren Kunden in der Regel rigorose Sicherheitsmassnahmen und überprüfen diese auch; so wird das Risiko einigermassen begrenzt. Der Teufel liegt dabei im Detail, doch die massgeblichen Versicherungsbedingungen gelten als "vertraulich".

(Sommer 2000)



Alle Rechte vorbehalten. Für die Richtigkeit der Angaben auf dieser Web-Site wird keine Gewähr übernommen. Die Inhalte stellen keine Rechtsberatung dar, sondern dienen lediglich der allgemeinen Information. Für eine individuelle Beurteilung von rechtlichen Fragen konsultieren Sie bitte einen Rechtsanwalt.

webmaster@insider.ch